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Mi, 19.6., 11 Uhr gastiert zur Hellen Stunde mit Kultur auf dem Potsdamer Platz mit Pugsley Buzzard & Micha Maass (Foto) ein deutsch-australisches Blues Duo. Pugsley Buzzard ist Musiker, Schauspieler, Fernsehkoch und liebenswerter Grizzly mit Hut, eine Mischung aus Doctor John und Tom Waits. Mit seinem Barrelhouse Piano Stil und seiner ungew├Âhnlich rauchigen Stimme tanzt er mit seinem New Orleans Sound durch Raum und Zeit. Micha Maass wiederum ist als Schlagzeuger in seiner Kategorie h├Ąufiger Gewinner des German Blues Award.



Livestream der aktuellen Stadtverordnetenversammlung.

Das Einkaufszentrum ┬╗Heidewald┬ź wurde im Jahr 1994 er├Âffnet. St├Ądteplanerisch machte es damals durchaus Sinn, dem kurz vorher in ┬╗Brandenburgisches Viertel┬ź umbenannten gr├Â├čten Eberswalder Neubaugebiet ein r├Ąumliches Zentrum zu geben. Doch die optimistischen Prognosen der damaligen Stadtf├╝hrung unter dem ein Jahr sp├Ąter abgew├Ąhlten B├╝rgermeister Dr. Hans Mai (SPD), die von einer stark positiven Bev├Âlkerungsentwicklung der Stadt ausgingen, erwiesen sich bald als Illusion. Als erste Folgen des neuen Einkaufszentrums wurden die bestehenden Kaufhallen, die das genossenschaftlich organisierte Westunternehmen EDEKA von der einstigen DDR-Konsum-Genossenschaft ├╝bernomnmen hatte, aufgegeben. Beide Kaufhallen sind inzwischen abgerissen.
Heute funktioniert auch die zentrale Einkaufsmeile im Kiez nicht mehr, obwohl der Nahversorger Netto sein Gesch├Ąft durchaus rentabel betreibt. Denn sonst w├╝rde Netto wohl kaum gegen den Rauswurf durch den neuen Eigent├╝mer klagen. Aber der hat vermutlich gute Gesch├Ąftsbeziehungen mit einem anderen Nahversorger, sprich: einem Konkurrenten des Stavenhagener Netto...
┬╗Einfach zum kotzen┬ź

┬╗Heidewald┬ź-Eigent├╝mer will Nahversorger Netto los werden

Das ist einfach nur noch zum ┬╗kotzen┬ź*, mit welcher permanenten Verlogenheit, st├Ąndiger Desinformation und Intransparenz in der Sache der B├╝rgermeister, die Erste Beigeordnete und der Wirtschaftsdezernent der Stadt Eberswalde einschlie├člich der aktuellen Eigent├╝mer und sein beauftragter Projektentwickler gegen├╝ber ehrenamtlichen Kommunalpolitikern und der Einwohnerschaft im Eberswalder Ortsteil Brandenburgisches Viertel agieren!!!

Der im Brandenburgischen Viertel wohnende Stadtverordnete Carsten Zinn reagiert mit diesen drastischen Formulierungen auf einen Artikel in der lokalen Tageszeitung vom 31. Juli, in dem es um den Verbleib der Netto-Filiale im Einkaufszentrum ┬╗Heidewald┬ź geht.

Das Lokalblatt zitiert aus einer Stellungnahme der st├Ądtischen Pressestelle, in der es hei├čt: ┬╗Die Stadt Eberswalde bem├╝ht sich bereits seit l├Ąngerem um eine deutliche Verbesserung der Versorgungskapazit├Ąt im Brandenburgischen Viertel. Um das zu erreichen, ist sie mit verschiedenen Interessenten f├╝r den Standort im Gespr├Ąch.┬ź Es sei jedoch festzustellen, da├č die Stadt keinen direkten Einflu├č auf rein privatrechtliche Mietverh├Ąltnisse nehmen k├Ânne und d├╝rfe. ┬╗Nat├╝rlich hoffen wir, da├č Netto als einziger Nahversorger des Viertels im Einkaufszentrum verbleibt.┬ź

Das 1994 im Brandenburgischen Viertel er├Âffnete Einkaufszentrum ┬╗Heidewald┬ź habe schon bessere Zeiten gesehen, schreibt die Zeitung. Die einstige Bummelmeile f├╝r das Brandenburgische Viertel sei von Leerstand gekennzeichnet. In den vergangenen Jahren hatten unter anderem ein Friseur, ein Optiker, ein Spielzeugladen, ein Drogeriemarkt und ein Blumengesch├Ąft aufgegeben. Zuletzt war best├Ątigt worden, da├č der Modediscounter NKD seine dortige Filiale zum 31. Dezember 2023 schlie├čt.

Seit 2021 hat das EKZ ┬╗Heidewald┬ź einen neuen Eigent├╝mer. Der Berliner Unternehmer Sahin Sanli hatte kurz darauf auch das zur Ruine verkommene Wohngebietszentrum mit der einstigen Wohngebietsgastst├Ątte ┬╗Specht┬ź erworben.

Sanli k├╝ndigte gro├če Pl├Ąne an und erhielt von der Eberswalder Baudezernentin Anne Fellner einige Vorschu├člorbeeren. ┬╗Unsere Vorhaben in Eberswalde┬ź, wird der Eigent├╝mer von der lokalen Tageszeitung zitiert, ┬╗sind nach wie vor aktuell und werden gemeinsam mit dem Projektentwickler Bechtolsheim Real Estate vorangetrieben┬ź. ├ťber Fortschritte dabei werde zu gegebener Zeit informiert, so die Tageszeitung weiter, die sich im gleichen Artikel auf Ausk├╝nfte von Netto selbst beruft.

Auf Nachfrage habe Kirsten Ge├č, deren D├╝sseldorfer Beratungsfirma die Pressearbeit von Netto betreut, mitgeteilt: ┬╗Leider hat uns der Vermieter zum kurzfristigen Verlassen des Objekts aufgefordert┬ź. Netto wolle gerne im ┬╗Heidewald┬ź bleiben, so Ge├č. Dies sei auch Gegenstand der aktuellen Gerichtsverhandlungen, zu denen sie aufgrund des laufenden Verfahrens keine weiteren Informationen geben k├Ânne.

Die gerichtlichen Auseinandersetzungen best├Ątigte dem Blatt auch der Eigent├╝mer Sahin Sanli. Im August sei ein Termin anberaumt, vor dem er ┬╗dazu keinerlei Details nennen┬ź werde. Er sei sich aber mit der Eberswalder Rathausspitze dar├╝ber einig, da├č es im ┬╗Heidewald┬ź unbedingt auch in Zukunft einen Nahversorger geben m├╝sse, was sogar ┬╗da├č Herzst├╝ck all unserer ├ťberlegungen┬ź sei. Gemeinsam mit dem Projektentwickler Bechtolsheim Real Estate arbeite er daran, das EKZ zu sanieren, zu modernisieren und zu erweitern. Marco Bauer, der Berliner Niederlassungsleiter der Becholsheimer ├Ąu├čert sich, wenig ├╝berraschend, ├Ąhnlich zugekn├Âpft. Die ├Âffentliche Pr├Ąsentation erfolge, ┬╗sobald das geht┬ź.

W├Ąhrend in anderen St├Ądten ├Ąhnlich gelagerte Probleme von den Verantwortlichen aktiv angegangen werden, verweist die Eberswalder Stadtverwaltung darauf, ┬╗keinen direkten Einflu├č auf privatrechtliche Mietverh├Ąltnisse nehmen┬ź zu k├Ânnen und zu d├╝rfen. Was impliziert, da├č ┬╗indirekte Einfl├╝sse┬ź durchaus machbar w├Ąren. Die Stadtverwaltung beschr├Ąnkt sich indes darauf, zu ┬╗hoffen ÔÇŽ, da├č Netto als einziger Nahversorger des Viertels im Einkaufszentrum verbleibt oder gegebenenfalls schnell ein vergleichbarer Nachmieter gefunden werden kann┬ź.

Somit ist dem eingangs erw├Ąhnten Statement des Stadtverordneten Carsten Zinn durchaus zu widersprechen. Verlogenheit kann der Rathausspitze kaum vorgeworfen werden. Den zitierten Aussagen der Stadtverwaltung kann vielmehr entnommen werden, da├č entsprechend dem neoliberalen Mainstream alles dem sogenannten ┬╗Markt┬ź ├╝berlassen werden soll und die daraus entstehenden nachteiligen Folgen f├╝r die B├╝rgerinnen und B├╝rger von der Rathausspitze bestenfalls bedauernd beobachtet werden. B├Âswilliger interpretiert w├╝rde das hei├čen: Ihr seid uns egal.

Eine solche moralisierende Sichtweise greift indes zu kurz. Die Agierenden in der Stadtverwaltung sind auch nur Produkt der vorherrschenden gesellschaftlichen Verh├Ąltnisse, in denen das private Unternehmertum ÔÇô je gr├Â├čer desto mehr ÔÇô au├čerhalb jeglicher Kritik steht.

Die Nahversorgung mit Lebensmitteln und anderen G├╝tern des t├Ąglichen Bedarfs geh├Ârt zu den grundlegenden Aufgaben der Grundversorgung und ist somit eine gesellschaftliche Angelegenheit. In der Vergangenheit mag das mittels privaten Versorgungsunternehmen funktioniert haben. Doch hat dieser Wirtschaftszweig inzwischen offenbar einen Zentralisierungs- und damit Monopolisierungsgrad erreicht, bei dem eine fl├Ąchendeckende Grundversorgung mit Lebensmitteln und anderen G├╝tern des t├Ąglichen Bedarfs sogar in gro├čen st├Ądtischen Wohngebieten im ┬╗freien Spiel der Marktkr├Ąfte┬ź nicht mehr funktioniert.

Hier scheint also ein gesellschaftliches Eingreifen dringend notwendig zu sein, um Schaden von den im Brandenburgischen Viertel lebenden Menschen abzuwenden.

Vorschl├Ąge, wie ein solches gesellschaftliches Eingreifen aussehen k├Ânnte, nimmt die MAXE-Redaktion unter gerne entgegen. Vielleicht ergibt sich daraus eine ├Âffentliche Diskussion mit Vorschl├Ągen, die von unseren Volksvertretern in der Stadtverordnetenversammlung und vom B├╝rgermeister aufgenommen werden k├Ânnen.

Gerd Markmann ÔÇô 31. Juli 2023

* ÔÇô Die Bemerkung zum ┬╗kotzen┬ź nimmt Bezug auf die ├äu├čerung der Ersten Beigeordneten, stellvertretenden B├╝rgermeisterin und Baudezernentin Anne Fellner in der 41. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 27. Juni 2023 zum TOP 13.9 (dort in der Minute 21). In dem Tagesordnungspunkt ging es um die Best├Ątigung der Genehmigungsplanung f├╝r den Neubau eines Funktionsgeb├Ąudes im Westendstadion. Nach sehr kontroversen Diskussionen sagte Anne Fellner, die wohl vers├Ąumt hatte, zuvor ihr Mikrofon auszuschalten: ┬╗Ich k├Ânnt' kotzen┬ź. Letztlich stimmten die Stadtverordneten der Genehmigungsplanung zu, allerdings unter der Bedingung, da├č mit den betroffenen Keglern nochmals ├╝ber deren Vorschl├Ąge, soweit sie kostenneutral umsetzbar sind, zu verhandeln sei.

Siehe auch:
Bebauungsplan f├╝r den ┬╗Specht┬ź
Neue Pl├Ąne f├╝r den Kiez
Ortsteil ohne Lebensmittelmarkt?
Hoffnung im ┬╗Sozialen Brennpunkt┬ź
┬╗Specht┬ź hat neuen Eigent├╝mer
Reimannviertel geplant mit Hallenbad, Sauna, Bibliothek und Poliklinik




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