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Den Monatsplan November der BegegnungsstÀtte »Silberwald« (Spreewaldstr. 1) gibt es hier als PDF (1,7 Mb).

Donnerstag, 30. November, 17 Uhr: Eröffnung der 20. und 21. Ausstellung in der Galerie Fenster (Prignitzer Str. 50). Fotoserie »Manhattan - Straße der Jugend« von Stephanie Steinkopf sowie Aquarelle und Lithografien von Gerhard Wienckowski. Mehr Infos hier).

Sonntag, 17. Dezember, 14-18 Uhr: Kiez-Weihnachtsmarkt auf dem Potsdamer Platz.

Livestream der aktuellen Stadtverordnetenversammlung.


Antirassismustag in Eberswalde:
»Wir sind alle Salah!«

Kundgebungen am Bahnhof und in der Senftenberger Straße

maxe. Der Internationale Tag gegen Rassismus am 21. MĂ€rz wird seit 1966 weltweit begangen. Die UNO hatte den Antirassismustag damals anlĂ€ĂŸlich des sechsten Jahrestags des Massakers von Sharpeville in SĂŒdafrika ausgerufen.

In diesem Jahr gab es in Eberswalde einen besonderen, einen traurigen Anlaß. Salah Tayyar, vor acht Jahren in die Bundesrepublik gekommen, weil er fĂŒr sich Sicherheit erhoffte nach Verfolgung und Folter in seinem Heimatland Tschad und Krieg im Nachbarland Libyen, wohin er nach zweieinhalb Jahren GefĂ€ngnishaft geflohen war und fĂŒr sechs Jahre Zuflucht gefunden hatte, nahm sich am 11. MĂ€rz das Leben.

Um 13 Uhr auf dem Vorplatz des Eberswalder Hauptbahnhofs lauschten mehr als 300 Menschen den Worten von Yahia Mohammed, einem Cousin des Verstorbenen, der in Berlin lebt und die Kundgebung am Bahnhof eröffnen wollte. Doch schon nach wenigen Worten versagte ihm die Stimme – angesichts des Todes von Salah und der anteilnehmenden Menge. Er ĂŒbergab an den nĂ€chsten Redner.

»Wir erleben hier in Eberswalde soviel Rassismus: in der AuslĂ€nderbehörde, beim Sozialamt, bei den Ämtern und auf der Straße – jeden Tag!«, rief Mustafa Hussein ins Mikrofon. Er ist politischer Aktivist aus dem Sudan und selbst wie Salah und viele andere Anwesende im Klageverfahren gegen die Ablehnung seines Asylantrags. Wie so viele andere kennt er nur zu gut den Druck, die Ungewißheit und die tĂ€gliche Angst wegen der unklaren Perspektive.

FĂŒr ihn und die anderen geflĂŒchteten Aktivistinnen und Aktivisten ist klar, daß dieser Druck, diese Angst, Salah in den Suizid getrieben haben. »Wir sind alle Salah!« ist deshalb das Motto der Kampagne. Auf einem Plakat zerstört eine Faust eine sogenannte »Duldung« – die Art von Ausweis, den viele GeflĂŒchtete bekommen und mit dem sie kaum Rechte haben. »Stop Duldung! Stop making fear!«* steht darauf.

Noch wĂŒtender und enttĂ€uschter ist Ahmed Rahama, ebenfalls aus dem Sudan. Er sagt in seiner Rede: »Fuck Asylsystem! Die Lage ist fĂŒr mich einfach eskaliert. Ich habe keine Hoffnung mehr, in Deutschland zu leben. Fuck AuslĂ€nderbehörde! Fuck struktureller Rassismus in Deutschland!«.

Fiona Kisoso aus Kenia beginnt ihre Rede mit ruhigen Worten: »Normalerweise habe ich viel Power, wenn ich eine Rede halte. Diesmal fehlt mir die Energie, es hat mich zu traurig gemacht. Ich brauche die Energie von euch!« Sie animiert die Menge zu Sprechchören und plötzlich scheint doch sehr viel Energie von ihr selbst zu kommen. Sie sagt: »Wir wollen nur Chancengleichheit. Wir wollen eine Chance, uns zu integrieren, zu arbeiten, zur Schule zu gehen, ohne von den Behörden schikaniert und gestreßt zu werden.«

Aziza Al Sharwi fragt: »Wieviele Salahs brauchen wir, um die ungerechten Gesetze zu Àndern?«

Viele schwarze Aktivistinnen und Aktivisten haben etwas zu sagen. Der Tod von Salah berĂŒhrt viele. Einige sind aus Potsdam, Berlin oder Brandenburg/Havel angereist.

Der fĂŒr 15 Uhr angesetzte Beginn der zweiten Kundgebung des Tages in der Senftenberger Straße, vor dem Haus, von dessen Balkon in der sechsten Etage sich Salah Tayyar in den Tod stĂŒrzte. Die Kundgebung am Bahnhof dauerte lĂ€nger als geplant. Rund 30 Leute warten gut eine halbe Stunde vor dem Haus bis die Kundgebungsteilnehmer vom Bahnhof eintreffen.

Aufgrund der Corona-BeschrĂ€nkungen hatte die Polizei keine Demonstration erlaubt, nur »ortsfeste« Kundgebungen. Rund 150 Menschen sind es schließlich, die sich vor dem Haus des Verstorbenen im Brandenburgischen Viertel versammeln.

Vor dem Haus in der Senftenberger Str. 4 bittet der Cousin des Toten zunĂ€chst die anwesenden muslimischen GlĂ€ubigen nach vorn zum Gebet. Nach einem darauf folgenden Moment der Stille geht Salah Bechir, ein Freund von Salah Tayyar, ans Mikrofon, um aus dessen Leben zu erzĂ€hlen. »Salah hatte einen Traum, mit dem er nach Deutschland kam. Sein Traum war es fĂŒr seine Familie sorgen zu können. Er hatte zwei Kinder und eine Frau im Tschad, die er seit vielen Jahren nicht sehen konnte. Er floh vor dem MilitĂ€rgefĂ€ngnis aus dem Tschad nach Libyen. Libyen mußte er wegen des Krieges verlassen.« Er beschreibt ihn: »Salah war ein stiller, bescheidener Mensch. Dabei war er freundlich und immer sehr hilfsbereit.«

Eric von Welcome United, der aus Brandenburg/ Havel angereist ist, erklĂ€rt: »Wir alle kommen mit TrĂ€umen hierher. Unser Traum ist es, ein normales Leben in diesem Land zu fĂŒhren. Unser Traum ist, in Freiheit zu leben.«

»Wir kannten unseren Bruder seit er in Eberswalde ist«, erzĂ€hlt ein Palanca-Mitglied. »Er war fĂŒr uns ein Freund, immer hilfsbereit. Unser Beileid gilt vor allem seiner Familie im Tschad, seinen beiden Kindern, seiner Frau, seiner Mutter, die noch lebt, und seinen beiden BrĂŒdern.«

Ein weiterer Redner appellierte an die afrikanische Community und die FlĂŒchtlinge allgemein, sie sollten ihre gegenseitigen Vorbehalte und Zwistigkeiten beiseite legen und gemeinsam dieses System bekĂ€mpfen, das Menschen wie Salah in den Selbstmord treibt.

Die Gruppe »Barnim fĂŒr alle« kĂŒndigte zum Abschluß eine weitere Kundgebung an einem Dienstag in den nĂ€chsten Wochen vor der Barnimer AuslĂ€nderbehörde an.

(21. MĂ€rz 2021)

* Stopp der Duldung! Stopp dem Angst machen!

FĂŒr diesen MAXE-Beitrag wurden große Teile der Pressemitteilung der Initiative »Barnim fĂŒr alle« vom 21. MĂ€rz 2021 verwendet.

Siehe auch:
»BĂŒrgerstiftung Barnim Uckermark: Zum Tod von Salah Tayyar«
»Ein Mensch springt in den Tod«




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