Kiezmagazin für das Brandenburgische Viertel
in Eberswalde
Kontakt zur ...

Archive: gedruckte Ausgaben

Online-Artikelarchiv

Notiert

Mi, 19.6., 11 Uhr gastiert zur Hellen Stunde mit Kultur auf dem Potsdamer Platz mit Pugsley Buzzard & Micha Maass (Foto) ein deutsch-australisches Blues Duo. Pugsley Buzzard ist Musiker, Schauspieler, Fernsehkoch und liebenswerter Grizzly mit Hut, eine Mischung aus Doctor John und Tom Waits. Mit seinem Barrelhouse Piano Stil und seiner ungew├Âhnlich rauchigen Stimme tanzt er mit seinem New Orleans Sound durch Raum und Zeit. Micha Maass wiederum ist als Schlagzeuger in seiner Kategorie h├Ąufiger Gewinner des German Blues Award.



Livestream der aktuellen Stadtverordnetenversammlung.

Hinein in den Wasserturm geht es erst einmal hinunter zur ehemaligen Pumptechnik. Die Messingwerksiedlung unterhalb des Turms ist ebenfalls saniert. Vom ehemaligen Wasserbeh├Ąlter geht es eine Wendeltreppe hoch zur Aussichtsplattform. Kupferhaussiedlung Wer fit genug ist, kann auch die Wendeltreppe hinuntergehen. Das Torbogenhaus in der Erich-Steinfurt-Stra├če.

100 Jahre Grundsteinlegung:
Der Finower Wasserturm - eine ganz gro├če Nummer!

maxe. Karl-Dietrich Laffin vom F├Ârderverein Wasserturm Finow und Umgebung e.V. ist stolz auf das bisher Erreichte: Das Wahrzeichen von Finow und Eberswalde wurde aus dem touristischen Dornr├Âschenschlaf erweckt und ist zu einer Attraktion der Region geworden, das sogar das Paul-Wunderlich-Haus weit in den Schatten stellt. Oben von der Aussichtsplattform blickt man hinunter auf die Messingwerksiedlung, auf die alten Fabrikhallen, auf das stillgelegte Walzwerk, auf die Finower Kirche und gleich daneben auf die langen Bl├Âcke des Kopernikusrings.

In weiterer Ferne ersp├Ąht man den Montage-Eber des Kranbaus, das Mischfutterwerk, Lichterfelde und Finowfurt. Mit einem guten Teleobjektiv oder einem Fernglas kann man bei klarer Sicht das Zentrum von Eberswalde heranholen, wobei die Maria-Magdalenen-Kirche nur zur H├Ąlfte aus dem Terrain herausragt, dahinter die S├╝dender H├Âhen und weiter links die H├╝gel von Ostende. Man entdeckt die Bruno-H.-B├╝rgel-Schule und am Bildrand lugt die Turmkuppel der Goetheschule hervor. Der ehemalige Stahlbau-Backsteinbau des Kranbaus ist gut zu sehen und zwischen den bl├╝henden Robinien sieht man ganz rechts unten den Turm der alten Papierfabrik Wolfswinkel.

Zwei Radfahrer-Touristen, ein Ehepaar mit westdeutschem Akzent, waren sichtlich beeindruckt und hinterlie├čen gleich lobende Worte im Besucherbuch. Mit 3 Euro Eintritt, f├╝r Kinder nur 1 Euro, ist der Wasserturm wirklich f├╝r jedermann erschwinglich. Auch kann man bequem mit einem modernen Fahrstuhl, der 2011 eingebaut wurde, bis nach oben fahren, wo sich zwei Museumsetagen befinden. Im ehemaligen Wasserbeh├Ąlter sind historische Exponate des Messingwerkes sowie des Walzwerkes museal modern pr├Ąsentiert und man kann die Entwicklung des Finower Industriestandortes von den Urspr├╝ngen an verfolgen.

Das Messingwerk produzierte schon seit der ersten H├Ąlfte des 18. Jahrhunderts an diesem Standort in Heegerm├╝hle, wie Finow damals hie├č. Mit dem Bau des Finowkanals (1743-1746) konnten die Rohstoffe f├╝r Messing - Kupfer aus dem Mansfelder Revier und Galmei aus Schlesien, aus dem dann Zink gewonnen wurde, sowie Kohle zum Brennen und Schmelzen - leichter und g├╝nstiger ins Finowtal transportiert werden. So entstand im Altwerk eine Werkhalle neben der anderen.

Im Jahre 1863 ├╝bernahm die Halberst├Ądter Fabrikantenfamilie Hirsch das Heegerm├╝hler Messingwerk. Produkte der Messingfabrik wurden zu dieser Zeit in alle Welt exportiert, sogar bis nach Indien, wo man dann aus Messing-Rohlingen M├╝nzen pre├čte. Vor allem aber dienten die Hirsch Kupfer- und Messingwerke, seit 1908 eine Aktiengesellschaft, der Produktion von R├╝stungsg├╝tern, insbesondere Munition bzw. Munitionsteile, aber auch aus Speziallegierungen gefertigte Rohre f├╝r die Dampfturbinen, mit denen Schlachtschiffe, Kreuzer und Torpedoboote der kaiserlichen Kriegsmarine ausger├╝stet wurden.

Der 1. Weltkrieg brachte dementsprechend eine enorme Ausweitung der Produktion mit sich. Die Gewinne der HKM-Aktion├Ąre vervielfachten sich. Um den steigenden Anforderungen des Milit├Ąrs zu gen├╝gen, aber auch um neuwertige Produktionsanlagen f├╝r die Zeit nach dem Krieg zur Verf├╝gung zu haben, gingen die Hirschs an den Bau einer neuen Fabrik, dem ┬╗Neuwerk┬ź. Der Bau der neuen Fabrik wurde von 1916 bis 1920 vollzogen.

Im Zusammenhang mit dem Bau des Neuwerkes der Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG, das zum Teil direkte Kriegsbeute aus Nordfrankreich war, wurde 1916 ein v├Âllig neuartiges Wasserwerk geplant, mit einer leistungsf├Ąhigeren Wasserversorgung f├╝r das Werk sowie f├╝r den ganzen Ort. Es entstand ein Wasserturm nach dem damals neuesten Stand der Technik. In den Turmkopf verbaute man ein Stahlbetonkorsett, einer damals neuen Ingenieurtechnik, das ihm die n├Âtige Stabilit├Ąt verlieh. Der Wasserhochbeh├Ąlter garantierte einen gleichm├Ą├čigen Wasserdruck von 3 bar, wozu die damalige Pumptechnik noch nicht in der Lage war.

Das aus den Kriegsgewinnen finanzierte Neuwerk bildete die Grundlage f├╝r die erfolgreiche Umstellung auf Friedensproduktion. Modernste Technologien kamen zum Einsatz und machten HKM zum f├╝hrenden deutschen Unternehmen in der Buntmetallbranche, das ma├čgeblich den ┬╗Messingpakt┬ź, ein Kartell der gr├Â├čten deutschen Buntmetallunternehmen bestimmte. Zugleich gingen die Hirschs zur Sicherung der Rohstoffbasis etliche Auslandsbeteiligungen ein. Allerdings verspekulierten sie sich in ihrer Expansionspolitik, was in der Weltwirtschaftskrise 1932 mit der Liquidation des Hirsch-Imperiums endete. In den neu gegr├╝ndeten Aktiengesellschaften waren die Hirschs nicht mehr vertreten. Das Neuwerk behielt aber den Namen Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG bei.

Nach der faschistischen Macht├╝bernahme 1933 stand wieder die R├╝stungsproduktion im Zentrum. Neue Produktionsst├Ątten zur Massenproduktion von Munition entstanden, wof├╝r mit der Finow Industrie GmbH eigens eine Tochtergesellschaft gegr├╝ndet wurde. 1939 besch├Ąftigte HKM einschlie├člich Tochter 4000 Arbeiter, die mit dem beginnenden Krieg zunehmend durch Zwangsarbeiter aus ganz Europa, Kriegsgefangene und schlie├člich KZ-H├Ąftlingen aus dem Frauen-KZ Ravensbr├╝ck ersetzt wurden. 1941 ├╝bernahm AEG die HKM, dien nunmehr ┬╗Finower Kupfer- und Messingwerke AG┬ź (FKM) hie├čen. Als R├╝stungsbetrieb, aber nicht zuletzt auch wegen der engen Beziehungen der Werksf├╝hrung zur SS, fielen die FKM nach dem Krieg fast vollst├Ąndig der Demontage zum Opfer.

Im April 1945, der Krieg war so gut wie verloren, sollten aufgrund Hitlers ┬╗Nero-Befehl┬ź alle Infrastrukturbauten gesprengt werden. Doch ein tapferer Wehrmachtssoldat, Gerhard Kessler (1917-2007), h├Ârte lieber auf sein Herz und lie├č den Turm ungeschoren, nachdem er schon die Sprengladungen angebracht hatte.

Nach dem Krieg entfernte man schnell den gro├čen ┬╗Hindenburg┬ź-Schriftzug am Turmkopf sowie dessen Relief im Gedenkhof, der 1930 unten zwischen den Pfeilern zu Ehren der im 1. Weltkrieg gefallenen Messingwerker angelegt wurde. Ansonsten blieb das Kriegerdenkmal zu DDR-Zeiten unangetastet. Es wurde nur h├Âflich verschwiegen. 1958 wurde der Turm offiziell aus hygienischen Gr├╝nden f├╝r Besucher gesperrt. Dabei spielte wohl auch eine Rolle, da├č man von oben einen guten Blick auf das Altwerk hatte, das jetzt von der NVA als Werkstatt genutzt wurde. Daneben konnten wegen des ph├Ąnomenalen Rundumblicks auch s├Ąmtliche Flugaktivit├Ąten der Sowjetarmee auf dem Flugplatz Finow verfolgt werden. Der Wasserturm wurde noch bis 1974 f├╝r die Wasserversorgung genutzt, doch dann erzwangen Frostsch├Ąden seine Stillegung.

Hinter dem Brandenburgischen Viertel, damals Max-Reimann-Viertel, befand sich die Einflugschneise f├╝r die Hubschrauber und MIGs der sowjetischen Streitkr├Ąfte des Flugplatzes Finow.

Ab 1990 nahmen die Frost- und Wettersch├Ąden am ehemaligen Wasserturm zu. Alle Versuche, den Turm neu zu nutzen, scheiterten. Ehemalige Walzwerker und weitere B├╝rger kamen zusammen und ├╝berlegten, wie der Turm zu retten sei. Ein erster Schritt war die Ausstellung "Das Messingwerk und seine Lebensader" von 1996, in der viele vom Messingwerker Arnold Kuchenbecker gesammelte Gegenst├Ąnde und Unterlagen pr├Ąsentiert wurden. Weitere Ausstellungen im Eberswalder Rathaus, in der Sparkasse Barnim und in der Adler-Apotheke folgten. Die Stadtverordneten beschlossen, den gesamten Bereich der Messingwerksiedlung als Denkmal unter Schutz zu stellen.

Aus dem Festkomitee des im Jahr 2000 gro├č begangenen Jubil├Ąums ┬╗300 Jahre Messingwerk┬ź bildete sich im Jahr 2003 der ┬╗F├Ârderverein Finower Wasserturm und sein Umfeld e.V.┬ź Wieder war es Arnold Kuchenbecker, der ma├čgeblichen Anteil daran hatte, die Pl├Ąne zur Sanierung des Turm und seiner Begehbarmachung umzusetzen. Neben dem Turm sollten auch die H├Ąuser am Gustav-Hirsch-Platz, die alte Schule, das Torbogenhaus sowie die Kupferhaussiedlung saniert werden.

Viele B├╝rger und Unternehmen haben durch ihr Engagement die Sanierung des ganzen Komplexes angeschoben, bis sich schlie├člich die Stadt Eberswalde als Besitzerin des Wasserturms zu ihrer Verantwortung bekannte und F├Ârdermittel f├╝r die Sanierung beantragte. Spektakul├Ąrer Auftakt der Turmkopfsanierung war - noch vor Mitwirkung der Stadtverwaltung - Mitte Oktober 2004 die Aufbringung des Umganges, einer komplett am Boden vorgefertigten Metallkonstruktion der Fa. Metallbau Finow, die mittels Autokran aufgesetzt wurde. Das erm├Âglichte potentiellen Sponsoren einen begeisterten Blick vom Wasserturm.

Nach dem Au├čenumbau und der Sanierung des Mauerwerks (2005/2006) erfolgte der Innenausbau mit der Elektroanlage, der Betonsanierung, der Einsetzung denkmalgerechter Scheiben und den Malerarbeiten. Am 4.12.2007 wurde der Wasserturm nach denkmalgerechter Sanierung feierlich der ├ľffentlichkeit ├╝bergeben. Zwei Jahre sp├Ąter erfolgte die Einweihung des Museumsbereiches im ehemaligen Wasserbeh├Ąlter und wieder zwei Jahre sp├Ąter spendierte das Land Brandenburg einen modernen Personenaufzug, der einen weitgehend barrierefreien Zugang erm├Âglicht. Eine Nutzungsvereinbarung zwischen der Stadt Eberswalde und dem F├Ârderverein regelt eine ├ľffnung des Bauwerkes an drei Tagen in der Woche: Freitag, Sonnabend und Sonntag von 10-17 Uhr.

Ein bi├čchen mehr Aufmerksamkeit f├╝r den Finower Wasserturm t├Ąte nicht schlecht, meint Karl-Dietrich Laffin. Viele Eberswalder waren noch nicht ein einziges Mal auf der Aussichtsplattform und auch die Stadt Eberswalde, der eigentlich der Turm geh├Ârt, k├Ânnte sich etwas aufnahmebereiter die Sorgen und N├Âte der Museumsbetreiber anh├Âren. Da├č der Wasserturm Finow das ultimative touristische Highlight der Region ist, daran kann jedenfalls kein Zweifel bestehen. Vielleicht w├Ąre ein Shuttle-Bus vom Eberswalder Marktplatz bis zum Wasserturm w├Ąhrend seiner ├ľffnungszeiten eine gute Idee - man kann mit seinen Pfunden ruhig mal wuchern ...

(jg/gm) - 18. Mai 2018

Quellen:
┬╗Der Wasserturm in Finow - vom Rei├čbrett zum Regionalmuseum┬ź, Juli 2016 - Herausgeber: F├Ârderverein Finower Wasserturm und sein Umfeld e.V. mit Unterst├╝tzung der Stadt Eberswalde, Amt f├╝r Wirtschaftsf├Ârderung und Tourismus - Autor: Karl-Dietrich Laffin (nach Aufzeichnungen von Arnold Kuchenbecker)
┬╗Walzwerk im Finowtal┬ź, 2017 - Herausgeber: Geschichtswissenschaftliches Institut Eberswalde e.V. - Autor: Kurt Berus




Die zwölf neuesten Artikel im Direktzugriff:

17.06.2024 - Pawels Stand-Up-Pantomine zum Artikel ...
11.06.2024 - Neuer Treffpunkt im Brandenburgischen Viertel zum Artikel ...
31.05.2024 - Wahlkampf im Kiez zum Artikel ...
27.05.2024 - Unvorstellbar: Eberswalde ohne alte Backsteinfabriken? zum Artikel ...
27.05.2024 - 24. Mai 2024: Tag der Nachbarn zum Artikel ...
26.05.2024 - Galerie Fenster: ┬╗Barfu├č ├╝ber alle Berge┬ź zum Artikel ...
25.05.2024 - Zahlungsunwillig oder pleite? zum Artikel ...
25.05.2024 - Wahlanzeige Die PARTEI Alternative Liste Eberswalde zum Artikel ...
24.05.2024 - M├╝ll am Heidewald: Ende einer ┬╗Endless-Story┬ź? zum Artikel ...
30.04.2024 - Feuer am ┬╗Heidewald┬ź zum Artikel ...
29.04.2024 - M├╝ll am Heidewald zum Artikel ...
03.04.2024 - Stellenanzeige Laboranten (m/w/d) zum Artikel ...


Archiv der MAXE-Druckausgaben

Alle Druckausgaben von MAXE, dem Kiezmagazin für das Brandenburgische Viertel, die 2012 bis 2014 im Kiez verteilt wurden, sind im Archiv als PDF abrufbar.

Hier geht's zum Archiv: MAXE gedruckt


Eberswalde © 2015-2020 AG MAXE
Impressum

Besucher
(seit 16.1.24):
Besucherzńhler