Kiezmagazin für das Brandenburgische Viertel
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Den Monatsplan November der Begegnungsst├Ątte ┬╗Silberwald┬ź (Spreewaldstr. 1) gibt es hier als PDF (1,7 Mb).

Donnerstag, 30. November, 17 Uhr: Er├Âffnung der 20. und 21. Ausstellung in der Galerie Fenster (Prignitzer Str. 50). Fotoserie ┬╗Manhattan - Stra├če der Jugend┬ź von Stephanie Steinkopf sowie Aquarelle und Lithografien von Gerhard Wienckowski. Mehr Infos hier).

Sonntag, 17. Dezember, 14-18 Uhr: Kiez-Weihnachtsmarkt auf dem Potsdamer Platz.

Livestream der aktuellen Stadtverordnetenversammlung.



Im Viertel nach Zw├Âlf

Jahreszeiten kommen und gehen im Brandenburgischen Viertel. Vieles ver├Ąndert sich im Laufe der Zeit. Aber der Kiez bleibt bei seinem Rhythmus, egal welche Wohltaten oder Plagen ├╝ber die Bewohner hereinbrechen.

Am Mittwoch gab es wieder ┬╗Tote Oma┬ź im Zentralimbi├č des Heidewald-Centers. Im G├╝l├╝m-Bistro kann man sch├Ân gem├╝tlich drinnen sitzen, seinen Kaffee trinken oder ein Pils, oder aus den t├Ąglich wechselnden Tagesgerichten ausw├Ąhlen. Wenn man das n├Âtige Kleingeld hat. Ehrlicherweise mu├č man sagen, die Portionen werden immer kleiner und die Preise immer gr├Â├čer. Das ist aber im angrenzenden Supermarkt genauso, und wenn man von dort seine Waren bezieht, mu├č man das nat├╝rlich einkalkulieren. Einzig die Tasse Kaffee bei M├Ąrkisch Edel gleich um die Ecke ist immer noch bei einssiebzig und das ist die gro├če Ausnahme beim sonstigen Angebot.

Mit ┬╗Doppelwumms┬ź bekommen jetzt viele schlechtergestellte Leute mehr oder zum ersten Mal Wohngeld und k├Ânnen das Preisdesaster etwas ausgleichen. Was die Nebenkostenabrechnungen bringen werden, wird sich zeigen im Laufe des Jahres. Aber nicht nur zentral bei ├ťmit kann man zu Mittag speisen, sondern auch beim DRK-Heim gegen├╝ber am Potsdamer Platz oder in der gro├čen AWO-Kantine, die t├Ąglich zwei unterschiedliche warme Mahlzeiten f├╝r die 80 Bewohner des gro├čen Pflegeheims kocht und eben auch f├╝r G├Ąste, darunter Stammkunden oder gelegentliche. Die Preise sind moderat. Donnerstags gibt es oft Fisch und samstags meist nur einen Eintopf. Man kann schon von Gl├╝ck sagen, da├č man jetzt, nach zwei Jahren Restriktionen, wieder drinnen sitzen und speisen kann und nicht wie ein r├Ąudiger Hund vor der Eingangst├╝r abgefertigt wird.

Wenn das Mittagsmahl geschafft ist, erfolgt in vielen H├Ąusern der n├Ąchste Gassigang. Die lieben Vierbeiner wollen sich wieder entleeren und schn├╝ffeln und Frauchen oder Herrchen haben ausgiebig Zeit, mit anderen Hundeausf├╝hrern zu palavern: ├╝ber den M├╝ll, der herumliegt, ├╝ber den Krach der Sanierungs-Baustellen, ├╝ber die S├Ąufer, ├╝ber die Preise, ├╝ber die Mieten oder ├╝ber die explodierenden Tierarztkosten. Alles explodiert zur Zeit. Nicht nur fernab im Osten. Die Fl├╝chtlinge werden immer mehr und finden kaum noch Wohnraum. Einhundertachtzig Wohnungen wurden in den letzten Jahren dem Erdboden gleichgemacht. Nun fehlen sie. Hinzu kommen momentan f├╝nf Bl├Âcke aus denen im letzten Jahr 200 Bewohner vertrieben wurden und die jetzt mit Bauarbeiten belegt sind. Wenn die einmal voll vermietet sind, steigt automatisch das Mietniveau f├╝r Plattenbauten der ganzen Gegend.

Die neu sanierten Wohnungen kann sich nicht jede Familie, nicht jeder Arbeitsloser leisten. Noch kamen die Vormieter ein paar Stra├čen weiter unter, in nur teilsanierten H├Ąusern. Aber irgendwann geht da der Sanierungszirkus weiter und dann die Frage: Wohin? Wir retten das Weltklima aber bleiben sozial auf der Strecke. Mit WBS und Wohnungsf├Ârderung kommt man auch auf 500,- warm. Da hilft nur noch, die Heizung auszulassen. Die Wohnung ist ja dann gut ged├Ąmmt. Dadurch sinkt auch der internationale Gaspreis und wir brauchen weniger von diesen umweltsch├Ądlichen Fracking-Tankern. Soweit die Theorie bei 16 Grad im Fr├╝hling.

Die Gassigeher sind beh├Ârdlich angehalten, immer ein schwarzes T├╝tchen dabeizuhaben, und mit einem geschickten Griff, der die Finger w├Ąrmt, wird das ├äu├čere nach innen gest├╝lpt und das T├╝tchen in der n├Ąchsten Abfallbox entsorgt. Soweit die Theorie. Der Theorie nach sollen die Mieten der neusanierten Wohnungen im ┬╗Quartier Oderbruch┬ź nicht ├╝ber 8 EUR kalt gehen. Man kann jetzt schon wetten: es werden viele Ausw├Ąrtige herziehen, aus Gegenden, wo die Preise schon jetzt unbezahlbar sind. Gro├če Wohnungen sollen Familien anlocken, oder Mieter mit Luxusanspruch. Aber Luxus hier im Kiez? Das ist irgendwie fehl am Platze und die Fluktuation der n├Ąchsten Jahre wird wieder die Spreu vom Weizen trennen.

Man hat gro├če Pl├Ąne. Die Genossenschaft mit ihrem BRAND VIER und die st├Ądtische Gesellschaft mit der Cottbuser und Finsterwalder. Gleich nebenan befindet sich die gr├Â├čte Fl├╝chtlingsunterkunft des Landkreises, der Wohnverbund an der Potsdamer Allee, f├╝r die sogar ein Wachschutz sorgt. Menschenkinder aller Herren L├Ąnder hoffen auf eine Zukunft in einem friedlichen Land. Unsere ukrainischen G├Ąste k├Ânnen sich mittlerweile beim B├Ącker gew├Ąhlter ausdr├╝cken und m├╝ssen nicht mehr mit dem Finger zeigen; privat bleiben sie nat├╝rlich weiterhin beim Russisch und finden auch Hilfe und Unterst├╝tzung bei etlichen Russlanddeutschen, die hier seit Jahrzehnten zu Hause sind. Sprache verbindet. Die gegenw├Ąrtige Politik entzweit.

Unsere Br├╝der und Freunde sollen jetzt Kindersch├Ąnder und Vergewaltiger sein? Jedenfalls dr├Ąngt sich einem dieser Eindruck auf, wenn man Fernsehen schaut oder die Zeitung liest. Aber die Kontakte werden abgeschnitten und untersagt. Man kann sich nicht mehr objektiv informieren. Es gibt nur noch eine Einheitsmeinung, die sagt: unsere Freunde sind jetzt die B├ľSEN ├╝berhaupt. Viele glauben das. Wissenschaftler glauben, unsere ganze Welt steht nur noch Sekunden vor Zw├Âlf. Bis zum gro├čen Bimbam. Einmal diese unvers├Âhnliche Hetze und Aufr├╝stung, die zum Atomkrieg f├╝hren kann, und zum anderen das Klima. Die Kipp-Punkte sind bald erreicht, so die Auffassung, und die extremen Wetterereignisse werden dramatisch zunehmen. Mit ihnen D├╝rren, ├ťberschwemmungen, Hungersn├Âte und Fluchtwellen. Kriege dazu.

Wenn bei uns im Viertel die ├Ąlteren Jahrg├Ąnge die ewigen Jagdgr├╝nde aufsuchen, wird wieder Platz f├╝r die n├Ąchste Generation. Einheimische Kinder werden dann in den Wohnungen spielen oder Familien gr├╝nden, oder auch Zugezogene von nah und fern sichern sich hier ihre Existenz. Und um Viertel nach Zw├Âlf holen sich im Viertel wie eh und je die Bauarbeiter ihre Bockwurst im Laden und Herrchen und Frauchen wissen wieder, was sie an ihren treuen Vierbeinern haben: einen gesunden Gang an frischer Luft!

J├╝rgen Gramzow ÔÇô 20. M├Ąrz 2023




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