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Den Monatsplan September der Begegnungsst├Ątte ┬╗Silberwald┬ź (Spreewaldstr. 1) gibt es hier als PDF (3,7 Mb). Die Vorausschau auf den Oktober finden Sie hier (4,5 Mb).

An jedem Mittwoch gibt es zum Wochenmarkt auf dem Potsdamer Platz eine ┬╗Helle Stunde mit Kultur┬ź.

Saxophonmeister Henrik Walsdorff (Foto) und der junge Ben Lehmann am Kontraba├č spielten zur 54. Hellen Stunde mit Kultur am 20. September Jazz mit viel Pers├Ânlichkeit und wenig Imitation. Egal, ob alte oder neue Jazzstandards oder auch eigene Kompositionen, es geht darum, das Verbindende, den gemeinsamen Hintergrund, die Idee herauszuarbeiten und sich gemeinsam mit dem Publikum daran zu erfreuen. Am kommenden Mittwoch (27.9.) um 11 kommt der amerikanische Musiker Peter D'Elia auf den Potsdamer Platz und spielt Folk & Blues.

Livestream der aktuellen Stadtverordnetenversammlung.


The Beggar's Opera - Gem├Ąlde von William Hogarth (1728) - war die literarische Vorlage f├╝r Brechts Dreigroschenoper.
Programmzettel der Urauff├╝hrung der "Dreigroschenoper" am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm, Berlin (Abbildungen aus Wikipedia - gemeinfrei)

"Mackie Messer - der Dreigroschenfilm" im Kino:
Eine Hommage an Bertolt Brecht

maxe. Alles f├Ąngt damit an, da├č die Urauff├╝hrung der "Dreigroschenoper" kurz vor dem Scheitern steht. Schauspieler schmei├čen hin, Requisiten brechen zusammen und der Theaterleiter verlangt ├änderungen bei zu freiz├╝gigen Passagen. Mitten im ersten Akt versagt die Drehorgel ihren Dienst, doch ein grandioser Schauspieler rettet mit dem "Haifischsong" die Szene. Am Ende feiern die Zuschauer das St├╝ck, nicht zuletzt wegen der eing├Ąngigen Musik von Kurt Weill. Die "Dreigroschenoper" wird ein ├╝berw├Ąltigender Erfolg.

Nun melden sich andere Begehrlichkeiten. Die Filmindustrie erwirbt die Rechte am St├╝ck, doch Brecht will nach seinen eigenen Vorstellungen den Film inszenieren, nicht nach den Regeln des Filmmarktes. Damit beginnt ein ├╝berw├Ąltigendes Panorama an Bildern:

Macheath, dem Anschein nach ein Edelmann, betritt die Stra├če und sein Auge wird sofort von einer spazierenden Dame in den Bann gezogen, besonders von ihrer unteren Partie. Er folgt ihr und die beiden schlie├čen eine Bekanntschaft, die mit der Romanze unterm Soho-Mond von London beginnt.

Das Dumme ist nur: die Dame ist die Tochter vom Bettlerk├Ânig der Stadt und Macheath das Oberhaupt einer Kriminellenbande. Der "Captain", wie der Gangsterboss genannt wird, organisiert ein rauschendes Fest, mit den VIPs der Gesellschaft, w├Ąhrend Polly ein Brautkleid tragen darf. Sie w├Ąhnt sich schon im Hafen der Ehe, bestens ausgestattet, doch ihr Vater droht dem Polizeipr├Ąsidenten, die Geburtstagsfeier der K├Ânigin zu st├Âren indem er seine Bettler aufmarschieren l├Ąsst, wenn Maceath nicht an den Galgen kommt.

Inzwischen vergn├╝gt sich der "Edelmann" in einschl├Ągigen Etablissiments, von denen er freim├╝tig zugibt, hier erst gro├čgeworden zu sein, in den Armen der Seer├Ąuber-Jenny, im Original gespielt von Lotte Lenya, der Frau von Kurt Weill.

Die Handlung des Dreigroschenfilms wird immer wieder unterbrochen durch Einspr├╝che des Filmproduzenten, dem die Handlung zu sehr verfremdet ist, dann zu sittenverderbt und schlie├člich zu gesellschaftskritisch. Erst kann sich Brecht noch durchsetzen, aber dann folgt der Eklat: Der Autor verklagt die Filmgesellschaft wegen Mi├čachtung seiner Regieanweisungen und es kommt zum Prozess. Da├č Brecht seine Niederlage bereits einkalkuliert, geh├Ârt zur Inszenierung der Wirklichkeit.

Vor den Augen des verhandelnden Richters geht der Film weiter: Durch Verrat seiner leichten Damen kommt Macheath ins Gef├Ąngnis, sehr zum Bedauern seines Freundes, des Polizeipr├Ąsidenten, den er keines Blickes w├╝rdigt. W├Ąhrenddessen hat Peachum, der mit professioneller Bettlerei ein gro├čes Unternehmen geschaffen hat, aus Mitleid ein echten Kr├╝ppel angestellt. Dieser wirkliche Elende wird zum Problem f├╝r beide, f├╝r den Gesch├Ąftemacher wie f├╝r die Obrigkeit. Was ist, wenn die Elenden unter den Br├╝cken aufstehen und in die Bank- und Regierungspal├Ąste str├Âmen? Dann werden sie ein paar Polizisten nicht aufhalten k├Ânnen.

Macheath wird durch die K├Ânigin begnadigt und mit "Schwiegervaters" Geld kauft Polly ein Geldinstitut, soda├č der "ehrenwerte Kriminelle" nun Chef eines Bankhauses ist. Die Szene wechselt in die Moderne: in London schie├čen die Bankent├╝rme in den Himmel und aus Mackies plumpen Ganoven werden Aktenkoffertr├Ąger mit Zwirn und Schlips. So wie Brecht kurz zuvor in einer Probe der "Heiligen Johanna der Schlachth├Âfe" die gesellschaftliche Waage erl├Ąutert hat, wird Macheath - in der Oberschicht angekommen - nun erkl├Ąren: "Es gibt die guten Reichen. Also muss es auch die guten Armen geben!" Nur sagt Brecht: Die guten Armen werden immer unten sein ...

J├╝rgen Gramzow - 29. Oktober 2018


N├Ąchste Auff├╝hrung: Westend-Kino, 30.10. - 20 Uhr



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