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Den Monatsplan November der Begegnungsst├Ątte ┬╗Silberwald┬ź (Spreewaldstr. 1) gibt es hier als PDF (1,7 Mb).

Donnerstag, 30. November, 17 Uhr: Er├Âffnung der 20. und 21. Ausstellung in der Galerie Fenster (Prignitzer Str. 50). Fotoserie ┬╗Manhattan - Stra├če der Jugend┬ź von Stephanie Steinkopf sowie Aquarelle und Lithografien von Gerhard Wienckowski. Mehr Infos hier).

Sonntag, 17. Dezember, 14-18 Uhr: Kiez-Weihnachtsmarkt auf dem Potsdamer Platz.

Livestream der aktuellen Stadtverordnetenversammlung.


Vor 40 Jahren Grundsteinlegung Wohnkomplex "Max Reimann"
Reimannviertel geplant mit Hallenbad, Sauna, Bibliothek und Poliklinik

maxe. Am 28. Januar 1976 beschlo├č der Rat des Kreises Eberswalde die Gesellschaftspolitischen und volkwirtschaftlichen Zielstellungen f├╝r den Wohnkomplex ┬╗Spechthausener Weg┬ź, wie das Neubaugebiet in der Planungsphase genannt wurde.(1) Die Besch├Ąftigten des neu gebauten SVKE ben├Âtigten Wohnraum, und so wurde, ganz in der N├Ąhe, auf einem 82 ha gro├čen forstwirtschaftlich genutzten Gebiet s├╝dlich der Chemischen Fabrik ein Wohnkomplex von der Gr├Â├če einer Kleinstadt konzipiert.

Das vom VIII.Parteitag der SED beschlossene Wohnungsbauprogramm bildete das Kernst├╝ck des sozialpolitischen Programms der DDR-Regierung. Die Lebensbedingungen der Menschen, gerade auch in der Freizeit, sollten mit komfortablen Wohnungen verbessert werden. So wurde an einem Dienstagnachmittag, am 19. Juli 1977 in der N├Ąhe des Spechthausener Weges der Grundstein f├╝r das gr├Â├čte Neubaugebiet von Eberswalde gelegt.


Der Vorsitzende des Rates des Kreises, Genosse Horst Copitzky, schwang symbolisch den Hammer, um eine Kassette mit dem Lageplan des Neubaugebietes sowie mit einem ┬╗Neuen Deutschland┬ź und einem ┬╗Neuen Tag┬ź einzumauern. Mit folgenden Worten taufte er das neu zu bauende Wohngebiet:

┬╗Dieses Wohngebiet soll den Namen unseres unvergessenen Max Reimann tragen. Max Reimann, Arbeiterf├╝hrer, Kommunist und Ehrenb├╝rger unserer Kreisstadt, wird damit ein ehrendes Denkmal erhalten. Wir m├Âchten damit all die Antifaschisten ehren, die durch ihre unbeugsame Haltung in der finsteren faschistischen Vergangenheit, durch ihre Tat dem Finowtal den Beinamen ┬╗Rotes Finowtal┬ź verliehen.┬ź(2)
Einen Monat fr├╝her, am 22. Juni 1977 fa├čte der Rat des Kreises Eberswalde den Grundsatzbeschlu├č(5) zu den Investitionsaufwendungen f├╝r die Errichtung der Neubauten: die Summe f├╝r den 1. Bauabschnitt betrugen 57 Mio Mark und f├╝r den 2. Bauabschnitt 49 Mio Mark der DDR. Insgesamt waren 6672 Wohnungen geplant, in denen 18.000 bis 21.000 Menschen leben sollten. Laut einem Politb├╝robeschlu├č vom 24. April 1973 kam dabei ein ganz bestimmter Wohnungsschl├╝ssel zur Anwendung, mit dem folgende Wohnraumgr├Â├čen gebaut werden sollten:

  665 1-Raum-Wohnungen = 11,1 %
1101 2-Raum-Wohnungen = 18,3 %
3194 3-Raum-Wohnungen = 52,1 %
1036 4-Raum-Wohnungen = 17,2 %
   76 5-Raum-Wohnungen =   1,3 %

Holger Kliche vom Autorenkollektiv des Geschichtswissenschaftlichen Institutes Eberswalde bewertete 2010 die Entscheidung zum Bau des Wohngebietes: ┬╗Die g├╝nstigen topographischen Verh├Ąltnisse und die technisch unklomplizierte Erschlie├čung wegen des geringsten Abrisses und der Verlagerungskosten und der guten Anbindungen zu den n├Ârdlich gelegenen Arbeitst├Ątten gaben schlie├člich den Ausschlag zur Standortwahl.┬ź(3)

Mit den gleichen Worten erl├Ąuterte Kreisarchitekt Heinz Maske im Heimatkalender des Kreises Eberswalde f├╝r das Jahr 1979 die Standortentscheidung. In dieser Publikation stellte er zur├╝ckblickend auch die Bebauungskonzeption f├╝r das Max-Reimann-Viertel vor:

┬╗Hierbei wurden eindeutige Stra├čenr├Ąume mit den technisch und stadthygienisch maximalen Raumma├čen in Kontrast zu den vorgesehenen intimen Wohninnenh├Âfen gesetzt, die gro├čr├Ąumig ca. 60 x 60 bis 130 x 130 Meter angelegt werden, um eine sinnvolle Nutzung und den zusammenh├Ąngenden Baumbestand erhalten zu k├Ânnen. Um eine Monotonie in der Raumgestaltung zu vermeiden, weist jede Wohngruppe ihre eigene und typische Raumproportion auf.┬ź(4)
In der Endausbaustufe, nach Fertigstellung aller Bauabschnitte, seien folgende Einrichtungen geplant gewesen:
  • Mehrzwecksaal, Zirkelr├Ąume
  • Wohngebietsgastst├Ątte
  • Fachverkaufseinrichtungen
  • Zweigbibliothek und Volksbuchhandlung
  • Blumenverkaufshalle
  • Dienstleistungsbereiche
  • Sparkasse / Post
  • Poliklinik / Apotheke
  • Jugendklub
  • Hallenbad und Sauna(4)(5)
Heinz Maske, der Architekt legte 1979 weiter dar, da├č im Wohngebiet durch Komposition, Zuordnung, Farb- und Materialauswahl eine gestalterische Einheit und Differenziertheit der einzelnen Bereiche erreicht wird, die zu einem h├Âheren Niveau der Stadtgestaltung f├╝hrt. Erstmals im Bezirk Frankfurt/Oder und dar├╝ber hinaus wurde der vorhandene Waldbestand in die Wohngebietskonzeption einbezogen.(4)

Am 1. April 1978 wurden die ersten Wohnungen im 1. Bauabschnitt an 40 Bewohner ├╝bergeben.(3) Im Juli 1978 beschlo├č die 24. Tagung des Rates der Stadt Eberswalde die ersten Stra├čenbenennungen im Wohngebiet ┬╗Max Reimann┬ź. Bis 1979 enstanden dann 1100 Wohnungen f├╝r SVKE-Besch├Ąftigte. Am 25. November 1986 meldete der "Neue Tag" die vorfristige Er├Âffnung der zweiten Kaufhalle (die ├ľffnungszeiten beschlo├č der Rat der Stadt), und einen Monat sp├Ąter die Fertigstellung von 586 neuen Wohnungen im Jahr 1986. (1)(6)

Am 8. November 1987, zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution, rollten die ersten Obusse durch den Kiez. Die bisher eingesetzten Kraftomnibusse wurden durch elektrifizierte Busse des Typs IKARUS 280 T ersetzt. Hierbei unterst├╝tzten der Kraftverkehr Weimar und Potsdam die Eberswalder mit zwei Bussen. Um 3.50 Uhr fuhr die erste regul├Ąre Fahrt von der Allendestra├če bis Nordend. Die Taktung der Obusse war dabei alle 6 min (5-8 Uhr), alle 15 min (8-14.30 Uhr) und am Nachmittag alle 8 min (14.30-17.30 Uhr). Sp├Ąter am Abend dann alle 15 bzw. 20 min. (7)

Zwei Jahre sp├Ąter sollte die Mauer fallen und so kam es nicht mehr zur Fertigstellung des Wohngebietes. Am 2. M├Ąrz 1990 beschlo├č die Stadtverordnetenversammlung von Eberswalde die ├ťberarbeitung der Bebauungskonzeption f├╝r den Stadtteil ┬╗Max Reimann┬ź. Mit dem Beschlu├č der Stadtverordnetenversammlung Nr. 16 - 103/91 vom 13. Juni 1991, unterzeichnet von Dr. Hans Mai (B├╝rgermeister), vollzog die Stadt Eberswalde einen Schlu├čtrich unter 40 Jahre Arbeiter- und Bauern-Staat:

Neben der Leninstra├če (Eberswalder Str.), dem Platz der Freundschaft, der Ernst-Th├Ąlmann-Stra├če (Heegerm├╝hler Str.) und der Umbenennung des gesamten Wohngebietes in ┬╗Brandenburgisches Viertel┬ź, wurden s├Ąmtliche Stra├čen des DDR-Neubaugebietes per Dekret umbenannt, aus Kostengr├╝nden allerdings erst anderthalb Jahre sp├Ąter umgesetzt.(1)

Aus der Walter-Ulbricht-Stra├če wurde die Rathenower Stra├če, aus der Georg-Ewald-Stra├če die Cottbusser Stra├če, aus der Dr.-Salvador-Allende-Stra├če die Potsdamer Allee, aus der Max-Reimann-Stra├če die Frankfurter Allee, aus der Karl-Maron-Stra├če die Beeskower Stra├če, aus der Otto-Winzer-Stra├če die Nauener Stra├če - usw. usf.

Mit rotem Klebestreifen wurden die Namen von Antifaschisten und Sozialisten ├╝berklebt, solange bis neue Schilder und St├Ąnder installiert waren, die die Stadt Eberswalde mit der neuen harten W├Ąhrung bezahlen konnte.

Zur weiteren Entwicklung des Viertels ab 1990 verweisen wir auf diesen Artikel.

(jg) - 1. August 2017

Anmerkungen:
(1) Quelle: Kreisarchiv Barnim
(2) Tageszeitung "Neuer Tag" vom 22. Juli 1977 (Kreisarchiv)
(3) "Von der Bodenreform zur Wurstfabrik" - Wege zur industriellen Produktion in der Landwirtschaft im Raum Eberswalde / 1. Auflage Eberswalde 2010 / Autorenkollektiv unter Leitung von H. Kliche
(4) "Ein neues Wohngebiet entsteht" - St├Ądtebauliche Betrachtungen zum Wohnkomplex "Max Reimann" in der Kreisstadt Eberswalde-Finow von Heinz Maske, Architekt BDA/DDR - Kreisarchitekt - / Heimatkalender des Kreises Eberswalde f├╝r das Jahr 1979; Herausgeber: Rat des Kreises, Abteilung Kultur
(5) Grundsatzbeschlu├č des Rates des Kreises Eberswalde vom 22. Juni 1977 zu den Investitionen im 1. und 2. Bauabschnitt des WK "Max Reimann" - Quelle: Kreisarchiv Barnim
(6) Tageszeitung "Neuer Tag" vom 25. Nov. 1986 und vom 2. Dez. 1986 (Kreisarchiv)
(7) Tageszeitung "Neuer Tag" vom (ohne Angabe). November 1987 (Kreisarchiv)

Bildnachweis:
Grundsteinlegung am 19.7.1977 (Autor unbekannt)
Foto aus der Bauphase am 1.10.1979 - Herbert W. Brumm, Gramzow
(Quelle: Kreisarchiv Barnim)




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